Was Lieferketten mit deinem Alltag zu tun haben
Ein T-Shirt, ein Kaffee – und eine große Geschichte
Hast du schon mal ein T-Shirt für 5 Euro gekauft und gedacht: “Was für’n Schnäppchen!” ?
Für viele von uns ist das ein Glücksgriff – gerade wenn das Geld knapp ist. Aber hinter jedem neuen Produkt steckt mehr als der Preis. Jedes T-Shirt erzählt eine Story – von Baumwollfeldern, Textilfabriken und Transportwegen quer über den Globus.
Diese unsichtbaren Wege nennt man Lieferketten.
Lieferketten: Vom Baumwollfeld in die Dortmunder City
Eine Lieferkette ist der Weg, den ein Produkt nimmt, vom Rohstoff über die Verarbeitung bis ins Geschäft. Beim T-Shirt heißt das:
Baumwolle pflücken → Garn spinnen → Stoff färben → Shirt nähen → verpacken → verschiffen → lagern → verkaufen.
Doch oft gilt: je billiger das Endprodukt, desto schlechter die Bedingungen auf dem Weg dorthin. Das bedeutet: Menschenrechte werden verletzt, Löhne reichen nicht zum Leben und in vielen Fällen leidet die Umwelt.
Nazma Akter, eine Näherin aus Bangladesch, arbeitete schon als Kind in einer Textilfabrik. In einem Interview mit Refinery29 erzählt sie:
„Ich arbeitete 14 oder 15 Stunden am Tag, sechs – manchmal sieben – Tage die Woche … Ich war Helferin … später wurde ich Näherin.“
Billig für uns bedeutet also oft:
Jemand anders zahlt den echten Preis – mit Gesundheit, Zeit und manchmal dem Leben.
Hast du schonmal vom Rana Plaza gehört? Das war ein Fabrikkomplex in Sabhar, Bangladesch, in dem vor allem Kleidung für internationale Ketten wie KiK, Primark, Walmart und C&A produziert wurde. Am 24. April 2013 stürzte das marode Betongebäude komplett ein. Über 1100 Menschen starben damals, knapp 2500 Menschen wurden verletzt – das größte Unglück der Textilindustrie weltweit. Als Reaktion auf diese Tragödie gab es Proteste und weltweite Bemühungen, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen in Niedriglohnländern zu verbessern.
Mehr Fakten und Hintergründe hierzu findest du bei Amnesty International und Karakaya Talks.
Und was heißt das für uns im Pott?
Real talk: Viele von uns wissen selbst, wie es ist, mit wenig Geld klarkommen zu müssen. Mieten sind teuer, Jobs oft unsicher – faire Alternativen wie teure Bio-Jeans oder Fairtrade-Kaffee sind da vor allem eins: nicht machbar.
Darum ist wichtig:
Ungerechte Lieferketten sind ein systemproblem – kein individuelles Versagen!
Was das heißt:
- Unternehmen drücken Preise und Produktionskosten, um global mithalten zu können
- Politik schaut lange weg und schützt eher Konzerne als Arbeiter*innen und Natur
- Verantwortung wird an Konsument*innen ausgelagert – auch wenn viele kaum Geld übrig haben.
Kurz gesagt: Das Problem liegt nicht bei uns an der Kasse, sondern im politischen System.
Lieferkettengesetz: Hoffnung mit Grenzen
Ungerechte Strukturen wie unser globales Handelssystem verschwinden nicht, weil Einzelne von uns mehr zahlen. Deshalb muss Verantwortung da ansetzen, wo die Macht liegt: bei großen Unternehmen und politischen Entscheidungen.
Seit 2023 gilt deshalb in Deutschland das Lieferkettengesetz. Große Unternehmen (ab 1.000 Mitarbeitende) müssen prüfen, ob ihre Lieferketten Menschenrechte verletzen oder Umweltstandards missachten.
Ein weltweit wichtiger Schritt – aber nicht genug:
- Kleinere Firmen sind ausgenommen
- Kontrollen sind schwach oder fehlen ganz
- Verstöße bleiben oft ohne Folgen.
Für wirklich faire Lieferketten braucht es also stärkere Gesetze, Transparenzpflicht und internationale Zusammenarbeit. Aber vielleicht hast du es mitbekommen: im Moment passiert auf politischer Ebene das Gegenteil.
Gerechter Konsum – Was du trotzdem machen kannst
Kalpona Akter, die Präsidentin der Textilarbeiterinnen-Vereinigung in Dhaka (Bangladesch), empfiehlt Verbraucher*innen in einem Interview mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International dringend:
„…nicht nur auf Farbe, Größe, Preis und Stil zu achten, sondern…auch zu fragen, unter welchen Bedingungen sie diese Kleidung hergestellt haben.“
Nicht jede*r kann sich Bio-Jeans für 120 Euro leisten. Aber Systemkritik heißt auch: Veränderung musst du nicht alleine angehen. Kleine Schritte machen Sinn – auch wenn du nicht viel Geld hast:
- Kleidung tauschen statt neu kaufen. Spart Geld und Ressourcen – z.B. im Welthaus Dortmund
- Repair Cafés im Pott: Sachen reparieren statt wegwerfen – gibt’s in Dortmund u.a. im Depot oder am Hafen.
- Fragen stellen. Im Laden oder online: „Wo wurde das hergestellt?“ – Unternehmen merken, wenn Kund*innen Interesse zeigen.
- Siegel checken, wenn es mal drin ist. Fairtrade, Grüner Knopf, GOTS. Kaffee aus fairem Handel gibt’s inzwischen auch in vielen günstigen Supermärkten.
- Politisch einmischen & gemeinsam aktiv werden: Petitionen unterschreiben, Initiativen unterstützen, die für faire Lieferketten kämpfen und Parteien wählen, die sich für globale Gerechtigkeit einsetzen.
Hoffnung statt Perfektionsdruck
Gerechter Konsum ist kein „Alles oder Nichts“. Es geht darum, bewusst kleine Schritte zu gehen – und gleichzeitig gemeinsam Druck auf Politik und Unternehmen zu machen.
Vielleicht ist dein nächstes T-Shirt aus einem Second-Hand-Laden in der Nordstadt. Dein nächster Kaffee Fairtrade. Oder du teilst den Artikel mit Friends als Erinnerung daran, dass hinter billigen Preisen echte Menschen stehen.
Alles das ist gerechter Konsum – in kleinen machbaren Schritten.
Frage an dich:
Wenn du das nächste Mal in Dortmund shoppen gehst, achte mal drauf:
- Wo werden deine T-Shirts produziert?
- Was weißt du über die Arbeitsbedingungen in dem Land?
👉 Teile deine Gedanken zu Gerechtigkeit und Konsum mit uns auf Instagram
👉 Du hast Lust, tiefer einzusteigen? Dann melde dich an für unsere Seminarreihe „Was heißt eigentlich fair konsumieren – und geht das überhaupt?“ (September 2026)
FAQ: Wichtige Begriffe kurz erklärt
Englisch für gerechten Handel. Ein Gütesiegel für Produkte (z.B. Kaffee, Schokolade), bei denen Menschen in den Anbauländern fair bezahlt werden und bessere Arbeitsbedingungen haben.
Der Weg, den ein Produkt von der Herstellung bis zu dir nach Hause nimmt – vom Rohstoff bis in den Laden.
Der Gewinn, den ein Unternehmen nach Abzug aller Herstellungskosten macht.
Eine Person, die etwas kauft oder benutzt. Also wir alle.
Die Idee, nicht nur einzelne Probleme zu sehen, sondern das ganze System (z. B. Wirtschaft, Politik) zu hinterfragen und verändern zu wollen.